ALBUM-PICKS DEZEMBER 2020

La grande finale: Die Alben von BRTHR, neànder, Kristofer Åström und schließen unsere Album-Picks für das Jahr 2020 ab.

BRTHR (D) – High Times For Loners

»High Times For Loners« ist der prophetische Titel von BRTHRs neuem Album – betitelt und aufgenommen kurz vor der Pandemie. BRTHR aus Stuttgart klingen auf ihrem dritten Album frisch und energiegeladen – kompakte Songs, beeinflusst von Folk und Soul, neben luftigen, offen arrangierten Stücken, die Weite von Neil Young kombiniert mit dem flirrenden Sound von Calexico.

BRTHR nehmen diese Elemente und verwandeln sie in einen ganz eigenen, entspannten Sound. Philipp Eissler singt von Einsamkeit, Vergänglichkeit und Wänden in Köpfen und an Grenzen. Und das hoffnungsvolle Versprechen hellerer Tage, ein Album, wie das Licht am Ende des Tunnels.

Bandlink: http://www.brthr.de/

Folgende Picks aus dem Release haben es auf unsere Playlist geschafft:
– Steak loud (When You Speak Love)
– Strawberry Love


Neander (D) – Eremit

Mit dem Album „Eremit“ liefern neànder vielleicht den passendsten Albumtitel und Soundtrack für das Jahr 2020.

Nur anderthalb Jahre nach ihrem selbstbetiteltem Debüt meldet sich das Instrumental-Kollektiv Neander mit ihrem zweiten Album zurück. »Eremit« erscheint über Through Love Records.

»Eremit« ist der Nachfolger zu einem der meist beachteten Instrumental-Alben der letzten Jahre, einem wahren Monument für das Genre. Laut dem britischen RnR Magazin war das Debüt »der Beweis dafür, dass es Schönheit in der Melancholie gibt«, das deutsche Rolling Stone Magazin vergab 4 von 5 Punkten und beschrieb ihre Soundflächen als eine »tote, schwarze Mondlandschaft«. Neander entwickeln ihren ganz eigenen heavy Sound auf »Eremit« mit Einflüssen aus Doom, Ambient und Black Metal eindrucksvoll weiter.

Eine trostlose und einsame Atmosphäre überschattet das Album: die vierköpfige Band schneidet einen dunklen Kristall aus Licht und Schatten. »Wir wollten uns noch tiefer in unseren eigenen Sound hineinbohren. Deshalb sind die neuen Riffs langsamer und schwerer, und die epischen Parts sind viel intensiver« sagt die Band. »Dieses Album ist unsere Identitätsfindung: wir erforschen, was wir sind und schlagen das nächste Kapitel auf« beschreibt es Gitarrist Jan Korbach. »Unser erstes Album entstand in einem Zeitraum von drei Jahren – ›Eremit‹ in nur sechs Monaten. Diesmal ist alles aus einem Guss.«

Gemeinsam mit Christoph Barthelt von KADAVAR wurde das Schlagzeug in Berlin aufgenommen, Jan Oberg produzierte den 40-minütigen Monolith in den Hidden Planet Studios. »Dieses Album zeigt eine Band, die gänzlich in ihren eigenen Kosmos eintaucht, ›Eremit‹ ist wirklich eine Reise von Anfang bis Ende« lässt der beeindruckte Produzent verlauten. Magnus Lindberg von Cult Of Luna verlieh dem Album im Mastering den letzten Schliff in Stockholm: »Es ware eine pure Freude, an diesem kraftvollen und gleichzeitig dynamischen Album zu arbeiten, und diese Musik veredeln zu dürfen. Ich kann dieses Album gar nicht genug empfehlen!«

Bandlink: https://www.facebook.com/neanderhorde/

Folgende Picks aus dem Release haben es auf unsere Playlist geschafft:
– Eremit
– Atlas


Kristofer Åström (SWE) – Hard Times

Kristofer Âström kehrt mit »Hard Times« zum Nothern Blues zurück und präsentiert einmal mehr seine skandinavisch-melancholische Version des Americana-Genres.

Seit nunmehr 20 Jahren verkörpert Kristofer Âström wie kaum ein anderer das ungebrochen populäre, »nordische« Songwriting aus Schweden. Nach der Veröffentlichung der ersten drei Studioalben im Band-Gewand (»Go, Went, Gone« 1998, »Leaving Songs« und »Northern Blues« 2001) begann eine Phase mit auf die Akustikgitarre reduzierte Produktionen. In den Jahren 2003-2006 veröffentlichte Âström eine EP-Trilogie (»Black Valley«, »Dead End« und »There For«). Da diese EPs nicht die Aufmerksamkeit erlangten wie das im Sound sehr verwandte Album »Loupita« (2004), legte das Label Startracks sie im Sommer 2018 auf einer Doppel-LP neu auf. Mit der EP »Hold On Lioness« wurden neue Solo-Aufnahmen ergänzt, welche die »Quadrilogy« komplettierten.

»Hard Times« ist das zehnte Studioalbum des Schweden, und man wird das Gefühl nicht los, dass einige Lieder bewusst an vergangene Zeiten anknüpfen. Der Albumtitel stand übrigens schon vor der Pandemie. Er ist inspiriert von Stephen Foster’s Country-Song »Hard times come again no more.« Âström sinniert: »Though the music on Hard Times is not Country, it certainly has the feeling of it.«

Bandlink: https://www.facebook.com/kristoferastromofficial/

Folgende Picks aus dem Release haben es auf unsere Playlist geschafft:
– Inbetweener
– Another Love
– What’s Dangerour
– Night Owl


Ane Brun – After The Great Storm / How Beauty Holds The Hand Of Sorrow

Wir beenden unsere Album-Picks für das Jahr 2020 mit gleich zwei Alben der norwegische/schwedische Songwriterin Ane Brun. Die Achtzehn Lieder waren ursprünglich für ein Doppelalbum vorgesehen, aber als der Lockdown einsetzte, veranlasste sie die durch die Pandemie auferlegte Freizeit dazu, dieses Konzept zu überdenken. 

Obwohl ANE BRUN in den letzten Jahren durch die Veröffentlichung einer Vielzahl von Songs und Alben auf auf sich aufmerksam machte, werden diejenigen, die sie genauer verfolgen, etwas Ungewöhnliches an der stets produktiven und innovativen Arbeit der Künstlerin bemerkt haben: Sie hat seit dem umjubelten Album „When I’m Free“ von 2015, das sie sowohl in ihrer Heimat Norwegen als auch in ihrer Wahlheimat Schweden an die Spitze der Charts brachte, keine Sammlung neuer Originalmusik mehr veröffentlicht.

Glücklicherweise ändert sich das direkt doppelt mit den Veröffentlichung der Alben „After The Great Storm“ und „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“. Es sind die Alben acht und neun. Mit anderen Worten: Das lange Warten hat sich doppelt gelohnt. Es gibt einen traurigen, aber wichtigen Grund für die lange Pause, die den beiden Plattenproduktionen vorausging.

“Making an album always involved digging deep into myself,” so Ane Brun. “I deal with everything that happens in my life – relationships, changes, challenges – through writing music. But when my father passed away in 2016 I neither could, nor wanted to. It was a strange experience: I’m a very process-and-digest kind of person. I work on my issues, and I move forward. But, in the grief of losing a parent, it didn’t work. I couldn’t find the right tools in my toolbox, and there was no solution. My father was gone. It took me some time to understand that time itself was the key.” Erst im Sommer 2019 konnte die Künstlerin ihre Fantasie voll entfalten, als sie sich in eine Hütte tief in den norwegischen Bergen zurückzog. Dort erlebte sie einen dreiwöchigen Ausbruch von Kreativität, aus dem fast alle Lieder der beiden Alben hervorgingen. “I had a list of topics, ideas and sketches written down and worked my way through them, one by one. And on the day when that last idea on the list became a finished song, I closed the door and knew I had nothing more I needed to say. It was an almost physical feeling. I felt simultaneously empty and fulfilled…”

Danach blieb ihre Energie ungebremst und Anfang 2020 waren die Aufnahmen fast abgeschlossen; zumeist in den Stockholmer Atlantis Studios sowie den Studio Bruket. Letzteres ist das Zuhause der Band Tonbruket sowie Residenz der Ko-Produzenten Anton Sundell und Martin Hederos – der auch eine Reihe von Songs mitgeschrieben hatte. Die Ergebnisse beweisen eine bemerkenswerte Bandbreite von ruhigen Klavierballaden über zart-luftige Pop-Hymnen bis hin zu einigen ihrer kühnsten, extravagantesten Songs überhaupt. Ane Brun beschreibt die Herangehensweise wie folgt: “On “When I’m Free”, we ended up lingering in post-production doing a lot of cut and paste, adding layers and instrumentation. It was really hard work, and it was worth it. But I wanted to try something else this time, more like “It All Starts With One” (2011), by trying to make the magic happen there and then, live in the studio. We wanted real instruments to somehow play the role of machines, and to create beats that felt programmed but were still played by musicians.”

Während den Songs der letzte Schliff verabreicht wurde, fügte Ane Brun einen letzten Song hinzu, bevor sie die Aufnahmen in zwei Sammlungen aufteilte, die sich durch gegensätzliche Stimmungen unterschieden. Das eklektischere „After The Great Storm“ fokussiert ihre kristallklare, ergreifende Stimme, die von elektronischen und analogen Texturen umgarnt wird. Es dürfte diejenigen begeistern, die ihre ständigen stilistischen Neuerfindungen mögen. „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“, wird – obwohl auch diese Songs frische Techniken und Stile erforschen – denjenigen vertrauter sein, die sich an Ane Brun als die emotionale, gitarrenspielende Singer-Songwriterin erinnern, die um die Jahrhundertwende auftauchte.

Nach längerer Tragezeit erscheint das Album zu einem ungewöhnlich perfekten Zeitpunkt. “Both albums deal with the bigger questions in life, but in 2020 these questions have become even bigger. Even though I wrote most of them before this whole pandemic started, I feel they all have a message that fits the situation we’re in: frustration over the state of the world, how to grieve for a loved one, existentialism, love, relationships, loneliness, inner struggles, sleepless nights… I guess they’re just about being human.” Menschlich sein bedeutet in diesem Sinne immer auch, dass wir Trost und Gemeinschaft brauchen. Ane Brun hat sich die Zeit genommen, unserem Streben danach einen weiteren unvergesslichen Beitrag zu leisten.

Bandlink: https://anebrun.com/

Folgende Picks aus dem Release haben es auf unsere Playlist geschafft:
– Take Hold Of Me
– After the Great Storm
– Closer
– Last Breath